Digitalisierung ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die stattfindet – unabhängig davon, wie wir uns dazu positionieren. Digitalisierung darf allerdings nicht zum technologischen Selbstzweck werden. Digitalisierung muss gesteuert und gelenkt werden, um zum Nutzen für uns Menschen und für unser Ziel einer nachhaltigen Stadt eingesetzt zu werden. Aus diesem Grund habe ich für Konstanz eine Digitalstrategie auf den Weg gebracht, in welcher mit Verwaltung, Gemeinderat, Expertinnen und Experten und natürlich nicht zuletzt mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt an der Ausrichtung der Digitalisierung gearbeitet wird. Wir wollen dabei nicht nur festhalten, in welchen Bereichen Digitalisierung zum Einsatz kommen soll, sondern auch, welche Rahmenbedingungen aus unserer Sicht unerlässlich sind.

Klimaschutz braucht Digitalisierung

Unsere Zielsetzungen einer klimaneutralen Stadt können wir nur erreichen, wenn wir alle Möglichkeiten des digitalen Fortschritts nutzen – sei es im Bereich der Mobilität, der Energieversorgung, des Wohnbaus.

Nachhaltige Mobilität braucht Digitalisierung, um Verkehrsströme zu lenken, um Parksuchverkehr zu vermeiden. Wir brauchen Digitalisierung im Bereich der Mobilität aber auch dafür, um Sharing-Angebote ausbauen und nutzen zu können und um künftig unser ÖPNV-Angebot bedarfsgerechter zu gestalten.

Eine Reduzierung von Wohnraum ist ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz. Weniger Wohnraum setzt jedoch voraus, dass wir Angebote schaffen, Dinge zu teilen, die wir nicht täglich brauchen: Das Gästezimmer für Großeltern oder die Kinder, die hin und wieder am Wochenende nach Hause kommen, muss nicht dauerhaft vorgehalten werden – sondern kann beispielsweise im Wohnkomplex geteilt werden. Rasenmäher, Waffeleisen, Fonduegerät – wir alle können unseren Raum reduzieren und in Teilen auch unseren Konsum nachhaltiger gestalten, wenn nicht jeder alles vorrätig hat, sondern Dinge geteilt werden können – über digitale Plattformen, die uns die Nutzung so einfach wie möglich gestalten.

Nachhaltige Energieversorgung setzt neben dem Einsatz erneuerbarer Energien voraus, dass wir unseren Energieverbrauch reduzieren und zeitlich steuern: Digitalisierung kann dazu beitragen, dass die Kühltruhe dann kühlt und die Waschmaschine dann läuft, wenn gerade ausreichend Energie ins Netz eingespeist wird.

Digitalisierung zur Vereinfachung des Alltags

Gerade Ämtergänge sind für viele Menschen schwer zu bewältigen. Sei es, weil sie während der regulären Öffnungszeiten der Behörden selbst berufstätig sind, sei es, weil sie nicht in dem Maße mobil sind, dass sie die Wege problemlos zurücklegen können, sei es, weil sie zuhause Kinder oder Eltern betreuen müssen. Digitalisierung kann diese Angebote für Bürgerinnen und Bürger vereinfachen und komfortabler gestalten.

Digitalisierung darf nicht zur neuen Barriere werden

Digitalisierung führt dazu, dass bestehende räumliche oder zeitliche Barrieren abgebaut werden: Angebote können genutzt werden, ohne räumlich vor Ort sein zu müssen und ohne auf bestehende Öffnungs- oder Sprechzeiten Rücksicht nehmen zu müssen. Nicht alle Menschen verfügen allerdings über die Möglichkeiten und Fähigkeiten, diese digitalen Wege auch zu nutzen. Digitalisierung darf aber nicht zur Hürde für gesellschaftliche Teilhabe werden. Nicht-digitale Angebote müssen soweit erhalten werden, dass für alle Menschen der Zugang zu kulturellen, sozialen und öffentlichen Angeboten geöffnet bleibt!

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